Die Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen, insbesondere der stillen
Momente unterbrochener Kommunikation und das dabei entwickelte Motiv des jungen
Menschen mit geschlossenem Mund und dem Blick ins Leere, bildet den
Ausgangspunkt einer Suche nach bestimmten Farben und Farbkombinationen.
Versucht wird, den in den Medien vermittelten Zeitgeist, in seinen Farben und
seinem Stil aufzugreifen, um ihn gefiltert durch den Malprozess erneut in
Bildern umzusetzen.
Der Malvorgang, bei dem es durch das Auftragen von Farbe auf einem Malgrund zu
einem körperlichen Kontakt zwischen dem Schaffenden und seinem Werk kommt,
steht so im Gegensatz zu der in den Massenmedien verwendeten Technik des
Fotografierens und Filmens sowie zu der ebenfalls distanzierten
nachträglichen Bearbeitung am Computer.
In der Art jener Bilder, die uns in Mode- und Lifestylemagazinen oder in Filmen
und Musikvideos begegnen, entstehen neue Bilder, jedoch als Einzelstücke,
welche Spuren unmittelbaren persönlichen Schaffens erkennen lassen.
Die Bilder bieten keinen ironisch-kritischen Blick auf das gegenwärtige in
den Medien vorgeführte Schönheitsideal. Die Darstellung
melancholischer junger Frauen und Männer in ihrer Unnahbarkeit,
Sprachlosigkeit und Einsamkeit soll auch nicht als Kritik an einer kalten und
rücksichtslosen Gesellschaft missverstanden werden.
Gewiss mag das bei beruflichen wie bei freizeitlichen Anlässen sichtbare
Resultat des menschlichen Strebens nach dem unerreichbaren und
realitätsfremden Menschenbild aus Werbung, Film und Fernsehen aus
soziologischer und psychologischer Sicht bedenklich und kritikwürdig
erscheinen.
Dem ästhetischen Blick offenbart sich darin jedoch eine Schönheit,
welche im Gegensatz zu jener des angestrebten aber trügerischen Vorbilds
gar nicht oberflächlich ist.
Denn wo trotz der makellosen Oberfläche eines Menschen das von der
mitunter mühsamen Bewältigung seiner Existenz geprägte Innere
durch eine nicht abbröckeln wollende Fassade erkennbar wird, entsteht
diese wohl tragische Schönheit, die etwas Heldenhaftes in sich
birgt.
Markus Kravanja